PUA bedeutet einerseits Beratungsstelle zur "Pränatalen Untersuchung
und Aufklärung". Andererseits bezieht sich der Name auf eine Bibelstelle,
nach der die "Hebamme PUA nicht tat, wie der König zu ihr geredet
hatte. PUA tat, was die Mütter wollten." In diesem Sinne liegt der
Schwerpunkt in der Beratung und Begleitung von Betroffenen, besonders in Not-
und Krisensituationen.
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Annegret Braun, Leiterin der Beratungsstelle
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PUA Beratungsstelle
Heilbronner Straße 180
70191 Stuttgart
E-Mail: PUA@diakonie-wuerttemberg.de
www.diakonie-wuerttemberg.de/direkt/pua
Telefonische Beratung
Dienstag bis Freitag 9 - 12 Uhr und 14 - 16 Uhr
Tel.: 07 11 / 16 56 - 341 oder
Tel.: 07 11 / 16 56 - 168 (oder - 0) zur Terminvereinbarung außerhalb
der Sprechzeiten
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Frauen oder Paare, die das für alle offene Beratungsangebot von PUA wahrnehmen,
lassen sich am Telefon weiterhelfen, kommen in die Beratungsstelle oder werden
von Annegret Braun, der Leiterin der Beratungsstelle, zu Hause oder in der Klinik
besucht. Auch bei ein-geleiteten Geburten nach einem krankhaften Befund war
die Kinderkrankenschwester und Diakonin, die vorher als Krankenhausseelsorgerin
in einer Intensivstation für Frühgeborene und kranke Neugeborene gearbeitet
hat, schon einige Male auf Wunsch der Frauen dabei.
Ein Schwerpunkt ist die Beratung vor den Untersuchungen mit Fragen zur pränatalen
Diagnostik durch Informationen über die Tests und die Bedeutung der Untersuchungsergebnisse.
"Vorgeburtliche Untersuchungen sind keine Frage von Verantwortung und von
nicht schuldig werden wollen, oder etwas versäumt zu
haben, sondern letztendlich die Frage des eigenen Sicherheitsbedürfnisses,
das bei jedem Menschen verschieden ist, je nachdem, was er schon alles erlebt
hat." Annegret Braun legt großen Wert auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit
mit Ärztinnen und Ärzten, Humangenetikern, Krankenschwestern und Hebammen.
"Es geht nicht darum, Pränatale Diagnostik zu verteufeln, sondern
den Betroffenen Mut zu machen, ihren eigenen Weg zu finden."
Oftmals wird nach Unterstützung gesucht, wenn die Tests einen auffälligen
Befund ergaben oder während der zermürbenden Wartezeit auf weitere
Ergebnisse und den Grübeleien, welche Konsequenzen eine Diagnose für
die werden Mütter und ihre Partner hätte.
Die Beratungsgespräche sind vielfach geprägt von den Verunsicherungen,
die eine Empfehlung zur vorgeburtlichen Untersuchung auslöst. Ängste,
Erwartungsdruck, Schuldgefühle, Überforderung, Entscheidungskonflikte
und Krisen bestimmen diese Gespräche. "Nicht ein behindertes Kind
zu haben ist die Überforderung, sondern das Vorherwissen um einen krankhaften
Befund mit seinen Entscheidungsfolgen, was schwangere Frauen als Hölle
beschreiben."
Wenn die pränatalen Untersuchungen einen Befund ergeben haben, sollen Mütter
und Eltern frei entscheiden können, ob sie eine Schwangerschaft beenden
oder weiterführen wollen. "Diese Entscheidung hängt nicht nur
von medizinischen und humangenetischen Faktoren ab. Werdende Mütter und
Eltern werden auf dem Weg zu einer persönlich begründbaren und tragfähigen
Entscheidung begleitet," umschreibt Annegret Braun, ihre Aufgabe. So hilft
sie mit, die Tendenz zu einer Entscheidung festzustellen. Dabei werden gemeinsam
Argumente gesammelt, damit die Entscheidung auch Gegenargumenten standhalten
kann, wenn z.B. Außenstehende kritisch nachfragen werden. Dieser Prozess
wird noch komplizierter, ist ein Paar zunächst unterschiedlicher Ansicht.
Wenn sich die werdenden Mütter und Eltern schließlich für einen
Abbruch der Schwangerschaft entscheiden, kann Beratung und Begleitung ebenfalls
eine Hilfe sein in den Ängsten, in der Verzweiflung und Trauer um das zu
verlierende oder verlorene Kind, in all der Zerrissenheit und den Verletzungen,
die solche Entscheidungen mit sich bringen. Die Erfahrungen zeigen, dass es
hier keinen einfachen Weg gibt, ob sich von dem behinderten Kind zu trennen
oder mit ihm einen im Vorfeld von Sorgen und Ängsten geprägtes Leben
zu beginnen und sich bewusst auf Unsicherheiten einzulassen, von denen keine/r
im Voraus weiß, wie sie sich tatsächlich entwickeln und welche Kräfte
einem zuwachsen, oder mit welchen Schwächen man konfrontiert wird. Dies
gilt übrigens für beide Entscheidungswege.
Es gibt hier wohl keine glatten und glasklaren Lösungen, nur Hoffnungen
und Vertrauen. Und diese braucht es für jede Entscheidung. Deshalb versteht
sich PUA auch als eine Hilfe, das Vertrauen und die Hoffnungen ins eigene Leben
wieder in den Blick zu bekommen und zu stärken, wie auch immer es weiter
gehen wird, mit oder ohne dieses Kind, das anders ist als das gewünschte.
Annegret Braun begleitet und trägt auch die Entscheidung gegen das Leben
des kranken oder behinderten Kindes mit: "Es gibt schon in der Bibel Menschen,
die sich ihrer Lebensaufgabe nicht gewachsen fühlten, zum Beispiel Elia
oder Jona. Der eine flüchtete in die Wüste, der andere landete im
Walfischbauch und beide fanden den Weg wieder heraus.
Das Zurückgeben einer Aufgabe, von der man sich überfordert fühlt
ist eben auch sehr menschlich, was von Gott, so glaube ich, auch verstehend
und vergebend aufgenommen wird."
Sie macht der Frau oder dem Paar Mut, die Konsequenz der Entscheidung zu tragen.
Aus ihrer Erfahrung hat sie gelernt, dass die Betroffenen mehr tragen und bewältigen
können, als sie selbst für möglich halten. "Über allen
diesen verschiedenen Situationen und Schicksalen steht ganz groß eine
Hoffnung, die über das Unvorstellbare hinausgeht und Mut macht und Vertrauen
schenkt in den eigenen Lebensweg."
"Und plötzlich bin ich risikoschwanger? Oder: Das nächste
Mal ist es eine Risikoschwangerschaft!"
(Annegret Braun, Seiten 180f in "Nur ein Hauch von Leben" - Eltern
berichten vom Tod ihres Babys und von der Zeit ihrer Trauer.)
"(...) Doch wie von einem schwarzen Tintenklecks, der alle Farben überdeckt,
wird dieses Wunschbild erschreckt von den Ängsten, dass es nochmals so
gehen könnte, dass dieses gewünschte Kind wieder krank sein oder diese
Schwangerschaft wieder mit solchen Gefahren belastet sein könnte.
Diese Ängste sind nicht unberechtigt. Sie werden oft durch ganz unscheinbare
Randerlebnisse und -bemerkungen ausgelöst, die meistens in ihrer tiefen
Aussagewirkung gar nicht gleich wahrgenommen werden. Weder vom informierenden
Arzt noch von den Eltern. Ich habe lange Zeit als Klinikseelsorgerin auf einer
großen Intensivstation für Frühgeborene und kranke neugeborene
Kinder gearbeitet, auf der auch viele Kinder gestorben sind. Ich kann mich an
keine einzige Situation nach dem Tod eines dieser kleinen Kinder erinnern, die
nicht Folgendes zum Inhalt gehabt hätte: Die Ärztin oder der Arzt
sprechen mit den Eltern. Meistens auch über eine mögliche Obduktion.
Vielleicht sollte es wie tröstend oder sogar mutmachend wirken und wieder
Sicherheit vermitteln, wenn dann eine mögliche neue Schwangerschaft zum
Thema gemacht wird. Einmal könnte das Obduktionsergebnis durch seine genauere
Aussagekraft über die Todesursache für eine neue Schwangerschaft hilfreich
sein; eine humangenetische Beratung würde diese dann noch besser differenzieren
lassen, und bei erneuter Schwangerschaft würde eine möglichst engmaschige
frauenärztliche Betreuung nötig und wichtig sein.
Besonders das letzte Argument, das dann oft noch vom behandelnden Gynäkologen/in
verstärkt wird, in dem Sinne: "Also, bei der nächsten Schwangerschaft,
da machen wir alles viel genauer und besser und mehr Untersuchungen", löst
in der Regel ganz innen in der Seele andere Gefühle aus oder verstärkt
sie noch. Zum Beispiel: "Haben wir oder ich in dieser Schwangerschaft,
die so unglücklich endete, alles getan und ausgeschöpft?" - "Hätte
dies alles etwa verhindert werden können? Sind wir schuld und/oder der
Arzt, der nicht alles getan oder erkannt hat?" - "Sind wir zu naiv
in das alles gegangen, ohne uns medizinisch und humangenetisch genügend
kundig gemacht zu haben?"
Hinter all dem steckt natürlich der Wunsch und die Forderung: Dies will
und kann ich kein zweites Mal durchmachen. Und offensichtlich gibt es hier,
wenn auch unausgesprochen, zumindest Andeutungen von Verhinderbarkeit, von Sicherheit
und auch Machbarkeit. "Wenn ihr nächstes Mal alles macht, wird es
besser gehen."
Hätte man das nicht vorher merken können?
Die wohl häufigste und direkt nach der Geburt eines kranken Kindes meist
auch zuerst gestellte, ganz unbedarfte Frage von Angehörigen an die Mütter
oder Eltern: "Hätte man das nicht vorher merken können?",
trifft genau in diese Wunde des Versäumnisses. Sie verletzt so tief, weil
indirekt eine Schuldzuweisung drinsteckt: der unausgesprochene Vorwurf der möglichen
Verhinderbarkeit. Und dem wollen sich die betroffenen Mütter und Eltern
nie mehr aussetzen. Häufig ist das mit ein Grund dafür, dass Eltern
bei einer neuen Schwangerschaft pränataldiagnostische Untersuchungen in
vollem Umfang und in jedem Fall in Anspruch nehmen.
Andere Eltern machen aus den Schuldgefühlen und den berechtigten Sicherheitsbedürfnissen
heraus so etwas wie innere Abmachungen und halten sich an "beschwörende
Bedingungen": "Wenn ich wieder schwanger werde, dann werde ich alles,
was an Sicherheit und Wissen und Erkenntnissen angeboten wird, in Anspruch nehmen.
Diesmal will ich mir nicht den Vorwurf machen oder machen lassen, womöglich
etwas versäumt oder nicht bemerkt zu haben." Oder: "Schwanger
kann ich nur unter den Voraussetzungen des Einsatzes der ganzen medizinischen
Vordiagnostik werden." Wenn ein Teil davon sicher auch nur Scheinsicherheiten
geben kann, so haben sie möglicherweise doch beruhigenden Charakter. Auf
der anderen Seite können eben ganz bestimmte Erkrankungen bereits im Mutterleib
diagnostiziert werden, und es gibt für manche auch schon vorgeburtliche
Behandlungschancen. Wenn diese auch sehr begrenzt sind, bekommen sie unter dem
Eindruck der gemachten Vorerfahrungen doch noch eine viel größere
Gewichtung.
(...) Vertrauen auf die natürlichen Kräfte statt Fixierung auf Risiken
Grundsätzlich gilt, vor und bei allen Untersuchungen muss abgewogen werden,
ob der mögliche Schaden in einem ausgewogenen Verhältnis steht zu
dem, was sie aussagen können. Allzu viel ist nämlich auch hier nicht
das Beste. Neuere Studien, vor allem aus anderen Ländern, in denen es diese
Untersuchungen auch alle gibt, wo sie aber bei weitem nicht in dem Maße
in Anspruch genommen werden wie in Deutschland, beweisen, dass eine andere Form
der Schwangerenbetreuung und -vorsorge, vielfach mit der Begleitung durch Hebammen,
ein besseres "Out-come" (Herauskommen) von Kindern bei der Geburt
aufweisen. Das Verstärken der natürlichen Kräfte, selbst dann,
wenn sie auch einmal enttäuscht haben, das Stärken der guten Hoffnung
und des Zutrauens, weg von der Fixierung auf die Risiken und dennoch eine gute
Beobachtung und Betreuung, das Lernen von Wahrnehmungen über die eigene
Befindlichkeit und das eigene innere Grundgefühl haben Angst auflösende
Wirkungen, denen wir die gleiche, wenn nicht noch größere Aufmerksamkeit
und großes Zutrauen schenken sollten.
Hierzulande ist die Möglichkeit der Schwangerenvorsorge durch Hebammen,
auf Wunsch auch in Verbindung mit einer frauenärztlichen Betreuung vielen
Frauen noch gar nicht bekannt. Von den Krankenkassen ist die Vorsorge durch
Hebammen als Leistung voll anerkannt. Es sind eigentlich gar keine neuen Wege,
sondern ein Wiederaufnehmen von Bewährtem in neuer Form.
Ängste gehören zur Schwangerschaft, sie sind Ausdruck der Ungewissheiten
und des nicht Zugreifbaren, des in vielem nicht Beeinflussbaren, des nicht Sichtbaren
und des an die Natur Ausgeliefertseins. Sie werden massiv verstärkt durch
belastende Vorerfahrungen, insbesondere durch den frühen Tod eines Kindes,
durch Fehl- oder Totgeburt. Viele Wege werden versucht, um mit diesen Ängsten
zu leben und trotz ihnen neue Schwangerschaften zu wagen.
Je mehr sich die Betroffenen von den Festlegungen und der Einordnung von Risikobewertungen
freimachen und Menschen finden, die ihre Ängste ernstnehmen, umso besser
ist es um die Freiheit für eine neue Schwangerschaft bestellt, um die Freiheit,
den eigenen Weg zu wählen, und um die Sicherheiten, die jede Schwangere
für sich braucht. Letztendlich gibt es keine Sicherheiten und Garantien,
wenn es um Menschen geht. Andere Werte sind hier gefordert, zuallererst Liebe,
Vertrauen und Hoffnung. Und wenn ich schwanger wäre, gerade mit diesen
angstbeladenen Gefühlen, würde ich mir als Erstes Menschen und Quellen
suchen, wo ich diese Liebe, diese Hoffnung und dieses Vertrauen finde und damit
auch wieder in mir selbst entdecke.
In diesem Sinn verstehe ich auch meine Beratungs- und Begleitungsarbeit in Fragen
zu vorgeburtlichen Untersuchungen und bei Risikoschwangerschaften. (...)"