PUA - Stuttgart

PUA bedeutet einerseits Beratungsstelle zur "Pränatalen Untersuchung und Aufklärung". Andererseits bezieht sich der Name auf eine Bibelstelle, nach der die "Hebamme PUA nicht tat, wie der König zu ihr geredet hatte. PUA tat, was die Mütter wollten." In diesem Sinne liegt der Schwerpunkt in der Beratung und Begleitung von Betroffenen, besonders in Not- und Krisensituationen.

 

PUA - Fachstelle für Information, Aufklärung und Beratung zu Pränataldiagnostik und Reproduktionsmedizin
Leiterin: Claudia Heinkel
Diakonisches Werk der evangelischen Kirche in Württemberg e.V.
Heilbronner Str. 180
70191 Stuttgart

E-Mail: pua@diakonie-wuerttemberg.de
www.diakonie-wuerttemberg.de
Online-Beratung: www.evangelische-beratung.info/pua

Telefonische Beratung: Persönliche Beratungstermine nach Vereinbarung. Beratungsgespräche sind persönlich, telefonisch oder online möglich. Die Termine werden jeweils im Einzelfall vereinbart.
Tel.: 07 11 / 16 56 - 3 41
Tel.: 07 11 / 16 56 - 2 13 (Sekretariat)
Fax: 07 11 / 16 56 - 49 3 41

Frauen oder Paare, die das für alle offene Beratungsangebot von PUA wahrnehmen, lassen sich am Telefon weiterhelfen, kommen in die Beratungsstelle oder werden von Annegret Braun, der Leiterin der Beratungsstelle, zu Hause oder in der Klinik besucht. Auch bei ein-geleiteten Geburten nach einem krankhaften Befund war die Kinderkrankenschwester und Diakonin, die vorher als Krankenhausseelsorgerin in einer Intensivstation für Frühgeborene und kranke Neugeborene gearbeitet hat, schon einige Male auf Wunsch der Frauen dabei.
Ein Schwerpunkt ist die Beratung vor den Untersuchungen mit Fragen zur pränatalen Diagnostik durch Informationen über die Tests und die Bedeutung der Untersuchungsergebnisse.
"Vorgeburtliche Untersuchungen sind keine Frage von Verantwortung und von nicht schuldig werden wollen, oder etwas versäumt zu
haben, sondern letztendlich die Frage des eigenen Sicherheitsbedürfnisses, das bei jedem Menschen verschieden ist, je nachdem, was er schon alles erlebt hat." Annegret Braun legt großen Wert auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten, Humangenetikern, Krankenschwestern und Hebammen. "Es geht nicht darum, Pränatale Diagnostik zu verteufeln, sondern den Betroffenen Mut zu machen, ihren eigenen Weg zu finden."
Oftmals wird nach Unterstützung gesucht, wenn die Tests einen auffälligen Befund ergaben oder während der zermürbenden Wartezeit auf weitere Ergebnisse und den Grübeleien, welche Konsequenzen eine Diagnose für die werden Mütter und ihre Partner hätte.
Die Beratungsgespräche sind vielfach geprägt von den Verunsicherungen, die eine Empfehlung zur vorgeburtlichen Untersuchung auslöst. Ängste, Erwartungsdruck, Schuldgefühle, Überforderung, Entscheidungskonflikte und Krisen bestimmen diese Gespräche. "Nicht ein behindertes Kind zu haben ist die Überforderung, sondern das Vorherwissen um einen krankhaften Befund mit seinen Entscheidungsfolgen, was schwangere Frauen als Hölle beschreiben."
Wenn die pränatalen Untersuchungen einen Befund ergeben haben, sollen Mütter und Eltern frei entscheiden können, ob sie eine Schwangerschaft beenden oder weiterführen wollen. "Diese Entscheidung hängt nicht nur von medizinischen und humangenetischen Faktoren ab. Werdende Mütter und Eltern werden auf dem Weg zu einer persönlich begründbaren und tragfähigen Entscheidung begleitet," umschreibt Annegret Braun, ihre Aufgabe. So hilft sie mit, die Tendenz zu einer Entscheidung festzustellen. Dabei werden gemeinsam Argumente gesammelt, damit die Entscheidung auch Gegenargumenten standhalten kann, wenn z.B. Außenstehende kritisch nachfragen werden. Dieser Prozess wird noch komplizierter, ist ein Paar zunächst unterschiedlicher Ansicht.
Wenn sich die werdenden Mütter und Eltern schließlich für einen Abbruch der Schwangerschaft entscheiden, kann Beratung und Begleitung ebenfalls eine Hilfe sein in den Ängsten, in der Verzweiflung und Trauer um das zu verlierende oder verlorene Kind, in all der Zerrissenheit und den Verletzungen, die solche Entscheidungen mit sich bringen. Die Erfahrungen zeigen, dass es hier keinen einfachen Weg gibt, ob sich von dem behinderten Kind zu trennen oder mit ihm einen im Vorfeld von Sorgen und Ängsten geprägtes Leben zu beginnen und sich bewusst auf Unsicherheiten einzulassen, von denen keine/r im Voraus weiß, wie sie sich tatsächlich entwickeln und welche Kräfte einem zuwachsen, oder mit welchen Schwächen man konfrontiert wird. Dies gilt übrigens für beide Entscheidungswege.
Es gibt hier wohl keine glatten und glasklaren Lösungen, nur Hoffnungen und Vertrauen. Und diese braucht es für jede Entscheidung. Deshalb versteht sich PUA auch als eine Hilfe, das Vertrauen und die Hoffnungen ins eigene Leben wieder in den Blick zu bekommen und zu stärken, wie auch immer es weiter gehen wird, mit oder ohne dieses Kind, das anders ist als das gewünschte.
Annegret Braun begleitet und trägt auch die Entscheidung gegen das Leben des kranken oder behinderten Kindes mit: "Es gibt schon in der Bibel Menschen, die sich ihrer Lebensaufgabe nicht gewachsen fühlten, zum Beispiel Elia oder Jona. Der eine flüchtete in die Wüste, der andere landete im Walfischbauch und beide fanden den Weg wieder heraus.
Das Zurückgeben einer Aufgabe, von der man sich überfordert fühlt ist eben auch sehr menschlich, was von Gott, so glaube ich, auch verstehend und vergebend aufgenommen wird."
Sie macht der Frau oder dem Paar Mut, die Konsequenz der Entscheidung zu tragen. Aus ihrer Erfahrung hat sie gelernt, dass die Betroffenen mehr tragen und bewältigen können, als sie selbst für möglich halten. "Über allen diesen verschiedenen Situationen und Schicksalen steht ganz groß eine Hoffnung, die über das Unvorstellbare hinausgeht und Mut macht und Vertrauen schenkt in den eigenen Lebensweg."

 


"Und plötzlich bin ich risikoschwanger? Oder: Das nächste Mal ist es eine Risikoschwangerschaft!"
(Annegret Braun, Seiten 180f in "Nur ein Hauch von Leben" - Eltern berichten vom Tod ihres Babys und von der Zeit ihrer Trauer.)

"(...) Doch wie von einem schwarzen Tintenklecks, der alle Farben überdeckt, wird dieses Wunschbild erschreckt von den Ängsten, dass es nochmals so gehen könnte, dass dieses gewünschte Kind wieder krank sein oder diese Schwangerschaft wieder mit solchen Gefahren belastet sein könnte.
Diese Ängste sind nicht unberechtigt. Sie werden oft durch ganz unscheinbare Randerlebnisse und -bemerkungen ausgelöst, die meistens in ihrer tiefen Aussagewirkung gar nicht gleich wahrgenommen werden. Weder vom informierenden Arzt noch von den Eltern. Ich habe lange Zeit als Klinikseelsorgerin auf einer großen Intensivstation für Frühgeborene und kranke neugeborene Kinder gearbeitet, auf der auch viele Kinder gestorben sind. Ich kann mich an keine einzige Situation nach dem Tod eines dieser kleinen Kinder erinnern, die nicht Folgendes zum Inhalt gehabt hätte: Die Ärztin oder der Arzt sprechen mit den Eltern. Meistens auch über eine mögliche Obduktion. Vielleicht sollte es wie tröstend oder sogar mutmachend wirken und wieder Sicherheit vermitteln, wenn dann eine mögliche neue Schwangerschaft zum Thema gemacht wird. Einmal könnte das Obduktionsergebnis durch seine genauere Aussagekraft über die Todesursache für eine neue Schwangerschaft hilfreich sein; eine humangenetische Beratung würde diese dann noch besser differenzieren lassen, und bei erneuter Schwangerschaft würde eine möglichst engmaschige frauenärztliche Betreuung nötig und wichtig sein.
Besonders das letzte Argument, das dann oft noch vom behandelnden Gynäkologen/in verstärkt wird, in dem Sinne: "Also, bei der nächsten Schwangerschaft, da machen wir alles viel genauer und besser und mehr Untersuchungen", löst in der Regel ganz innen in der Seele andere Gefühle aus oder verstärkt sie noch. Zum Beispiel: "Haben wir oder ich in dieser Schwangerschaft, die so unglücklich endete, alles getan und ausgeschöpft?" - "Hätte dies alles etwa verhindert werden können? Sind wir schuld und/oder der Arzt, der nicht alles getan oder erkannt hat?" - "Sind wir zu naiv in das alles gegangen, ohne uns medizinisch und humangenetisch genügend kundig gemacht zu haben?"
Hinter all dem steckt natürlich der Wunsch und die Forderung: Dies will und kann ich kein zweites Mal durchmachen. Und offensichtlich gibt es hier, wenn auch unausgesprochen, zumindest Andeutungen von Verhinderbarkeit, von Sicherheit und auch Machbarkeit. "Wenn ihr nächstes Mal alles macht, wird es besser gehen."

Hätte man das nicht vorher merken können?

Die wohl häufigste und direkt nach der Geburt eines kranken Kindes meist auch zuerst gestellte, ganz unbedarfte Frage von Angehörigen an die Mütter oder Eltern: "Hätte man das nicht vorher merken können?", trifft genau in diese Wunde des Versäumnisses. Sie verletzt so tief, weil indirekt eine Schuldzuweisung drinsteckt: der unausgesprochene Vorwurf der möglichen Verhinderbarkeit. Und dem wollen sich die betroffenen Mütter und Eltern nie mehr aussetzen. Häufig ist das mit ein Grund dafür, dass Eltern bei einer neuen Schwangerschaft pränataldiagnostische Untersuchungen in vollem Umfang und in jedem Fall in Anspruch nehmen.
Andere Eltern machen aus den Schuldgefühlen und den berechtigten Sicherheitsbedürfnissen heraus so etwas wie innere Abmachungen und halten sich an "beschwörende Bedingungen": "Wenn ich wieder schwanger werde, dann werde ich alles, was an Sicherheit und Wissen und Erkenntnissen angeboten wird, in Anspruch nehmen. Diesmal will ich mir nicht den Vorwurf machen oder machen lassen, womöglich etwas versäumt oder nicht bemerkt zu haben." Oder: "Schwanger kann ich nur unter den Voraussetzungen des Einsatzes der ganzen medizinischen Vordiagnostik werden." Wenn ein Teil davon sicher auch nur Scheinsicherheiten geben kann, so haben sie möglicherweise doch beruhigenden Charakter. Auf der anderen Seite können eben ganz bestimmte Erkrankungen bereits im Mutterleib diagnostiziert werden, und es gibt für manche auch schon vorgeburtliche Behandlungschancen. Wenn diese auch sehr begrenzt sind, bekommen sie unter dem Eindruck der gemachten Vorerfahrungen doch noch eine viel größere Gewichtung.

(...) Vertrauen auf die natürlichen Kräfte statt Fixierung auf Risiken

Grundsätzlich gilt, vor und bei allen Untersuchungen muss abgewogen werden, ob der mögliche Schaden in einem ausgewogenen Verhältnis steht zu dem, was sie aussagen können. Allzu viel ist nämlich auch hier nicht das Beste. Neuere Studien, vor allem aus anderen Ländern, in denen es diese Untersuchungen auch alle gibt, wo sie aber bei weitem nicht in dem Maße in Anspruch genommen werden wie in Deutschland, beweisen, dass eine andere Form der Schwangerenbetreuung und -vorsorge, vielfach mit der Begleitung durch Hebammen, ein besseres "Out-come" (Herauskommen) von Kindern bei der Geburt aufweisen. Das Verstärken der natürlichen Kräfte, selbst dann, wenn sie auch einmal enttäuscht haben, das Stärken der guten Hoffnung und des Zutrauens, weg von der Fixierung auf die Risiken und dennoch eine gute Beobachtung und Betreuung, das Lernen von Wahrnehmungen über die eigene Befindlichkeit und das eigene innere Grundgefühl haben Angst auflösende Wirkungen, denen wir die gleiche, wenn nicht noch größere Aufmerksamkeit und großes Zutrauen schenken sollten.
Hierzulande ist die Möglichkeit der Schwangerenvorsorge durch Hebammen, auf Wunsch auch in Verbindung mit einer frauenärztlichen Betreuung vielen Frauen noch gar nicht bekannt. Von den Krankenkassen ist die Vorsorge durch Hebammen als Leistung voll anerkannt. Es sind eigentlich gar keine neuen Wege, sondern ein Wiederaufnehmen von Bewährtem in neuer Form.
Ängste gehören zur Schwangerschaft, sie sind Ausdruck der Ungewissheiten und des nicht Zugreifbaren, des in vielem nicht Beeinflussbaren, des nicht Sichtbaren und des an die Natur Ausgeliefertseins. Sie werden massiv verstärkt durch belastende Vorerfahrungen, insbesondere durch den frühen Tod eines Kindes, durch Fehl- oder Totgeburt. Viele Wege werden versucht, um mit diesen Ängsten zu leben und trotz ihnen neue Schwangerschaften zu wagen.
Je mehr sich die Betroffenen von den Festlegungen und der Einordnung von Risikobewertungen freimachen und Menschen finden, die ihre Ängste ernstnehmen, umso besser ist es um die Freiheit für eine neue Schwangerschaft bestellt, um die Freiheit, den eigenen Weg zu wählen, und um die Sicherheiten, die jede Schwangere für sich braucht. Letztendlich gibt es keine Sicherheiten und Garantien, wenn es um Menschen geht. Andere Werte sind hier gefordert, zuallererst Liebe, Vertrauen und Hoffnung. Und wenn ich schwanger wäre, gerade mit diesen angstbeladenen Gefühlen, würde ich mir als Erstes Menschen und Quellen suchen, wo ich diese Liebe, diese Hoffnung und dieses Vertrauen finde und damit auch wieder in mir selbst entdecke.
In diesem Sinn verstehe ich auch meine Beratungs- und Begleitungsarbeit in Fragen zu vorgeburtlichen Untersuchungen und bei Risikoschwangerschaften. (...)"